Unser Buchtipp für Januar / Februar 2018

Axel Hacke

Die Tage die ich mit Gott verbrachte

Mit Bildern von Michael Sowa

 

Kunstmann Verlag

 

 

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Wer ist der alte, melancholisch wirkende Herr im grauen Mantel, der urplötzlich im Münchener Glockenbuchviertel auftaucht und den Ich–Erzähler ohne Vorwarnung von der Parkbank schubst auf den eine Sekunde später ein schwerer Glasglobus
kracht, der aus einem Fenster geworfen wurde.

Immer wieder taucht er im Leben des Erzählers auf, ist auch nur für diesen sichtbar.

Merkwürdige Dinge geschehen, steinerne Löwen springen durch brennende Reifen, Schubladen in Häuserwänden springen auf und hübsch gemusterte Schlangen rauchen Zigaretten.

Ist es Gott, der ratlos ist über die Entwicklung seiner Welt und seiner Geschöpfe?

Aber auch der Ich–Erzähler hat seine Probleme, Gott zu verstehen, – so haben die beiden sehr viel zu besprechen.

Bei Axel Hacke trinkt Gott sehr gerne Champagner, aber auch gerne mal drei „Halbe“ dirigiert kleine Regenwolken und lässt den Protagonisten durch eine einzige Handbewegung 12 Meter groß werden und sogar schweben.

Sowohl die skurrilen Ereignisse als auch die philosophischen Gespräche behält der Mann für sich, sieht er doch seit einigen Jahren einen 25 Zentimeter großen Büroelefanten, den niemand sonst wahrnimmt.

Eine seltsam anmutende, utopische Geschichte, unterstrichen durch die wunderschönen Illustrationen von Michael Sowa und ein Gott der überaus menschliche Züge aufweist, der Trost zu suchen scheint und seiner Einsamkeit entfliehend, frustriert und traurig über die von ihm geschaffene, unvollkommene Schöpfung.

Hofft er auf Vergebung und sucht er Versöhnung?

Mich hat dieses Buch sehr nachdenklich gemacht, nicht vor dem Hintergrund der Theodizee–Frage, sondern dass es, wie Etty Hillesum schon formulierte, darauf ankommt, Gott zu helfen, ein Stück von Gott in uns selbst zu retten und somit helfen wir uns letztendlich selbst.

 

Susanne Preiß

 
 


 
Bildnachweis

 
 

Geschrieben von Susanne Preiss am 29. Dezember 2017

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