Namibisches Projekt gibt Geld für alle

Bedingungsloses Geld für alle – kann das gut gehen? Der Ex-Oberkirchenrat und Namibia-Experte Wilfried Neusel stellte am Trinitatissonntag im Rahmen eines Eine-Welt-Gottesdienstes ein weltweit einzigartiges Pilotprojekt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Namibia (ELCRN) vor. Mit ihm sprach Pfarrer z.A. Stefan Heinemann.

Wilfried, ‚Basic Income Grant‘ – wie funktioniert das?
Das BIG-Projekt startete im Januar 2008 in dem namibischen Dorf Otjivero. Dort erhalten alle Einwohner, vom Säuglings- bis zum Rentenalter, monatlich 100 Namibische Dollar bedingungslos ausgezahlt. Das sind umgerechnet 7,50 € pro Person und Monat.

Was erhoffen sich die Finanziers in Namibia und Deutschland davon?
Es ist ein Test: Können auf diese Weise unwürdige wirtschaftliche und soziale Abhängigkeiten überwunden werden? Die wissenschaftlichen Auswertungen der halbjährlichen Befragungen am Ort zeigen: Ja. In Jahresfrist sank der Anteil der unterernährten Kinder von 42% auf 10%, die Zahl Einkommen schaffender Aktivitäten stieg um 11%, die Zahl der Schulabbrecher sank nahezu auf Null. Die bedingungslose Grundsicherung hat Verantwortungsbereitschaft, Teilhabe und Selbstbewusstsein der Menschen mehr befördert, als es die Initiatoren je vermutet hätten.

Warum ist gerade dies ein kirchliches Projekt?
Zum einen hat das kirchliche Engagement in meinen Augen viel zum Gelingen beigetragen: Zutrauen in die Begünstigten und eine tief verwurzelte Sehnsucht nach Gerechtigkeit haben die Menschen in Otjivero sehr berührt. Zum anderen steht hier die Frage des Menschenbildes auf dem Spiel: Ist es vorstellbar, dass Menschen – auch in armen Ländern – ein einklagbares Recht auf ein menschenwürdiges Grundeinkommen haben? Hat die Gesellschaft dafür eine Verantwortung? Ich denke ja.
Und dass solches Engagement positive Folgen hat, hat das BIG-Projekt gezeigt.

Weitere Informationen finden Sie @ www.bignam.org.

Geschrieben von Ulrike Knichwitz am 30. Mai 2010

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