Nachrichten aus Simbabwe – Februar 2011

Liebe an Zimbabwe Interessierte, Anfang Februar 2011

bevor ich in Kürze wieder die Rückreise nach Harare antreten werde, möchte ich noch eine
kurze Einschätzung der gegenwärtigen Lage geben, soweit ich die neusten Entwicklungen
von hier aus mitverfolgen kann.
Vor 2 Wochen war ich mit der ‚erfreulichen‘ Nachricht hier angekommen, dass ein baldiger
Rücktritt des Präsidenten aus Gesundheitsgründen zu erwarten sei. Dem ist nun nicht so.
Im Gegenteil, offensichtlich erfreut er sich mit seinen 86 Jahren bester Gesundheit
(Ende des Monats kann er seinen 87.Geburtstag feiern, was die einfachen Menschen mit
ihren erzwungenen „Spenden“ finanzieren müssen)und ist inzwischen auf dem AU-Gipfel
in Addis Abeba eingetroffen. Gerüchte über gesundheitliche Beeinträchtigungen kommen
regelmäßig in Umlauf, wenn er außer Landes ist, wie auch jetzt bei seinem Weihnachtsurlaub
in Fernost.
Mit anderen Worten: Wir werden uns weiter auf ihn einstellen und seine Ankündigung
ernst nehmen müssen, dass noch in diesem Jahr Präsidentschafts-und nach seinem Willen
auch Parlamentswahlen stattfinden werden. Wahlen aber bedeuten nicht nur Gewaltandrohung,
sondern auch -anwendung. Denn bei wirklich demokratischen Wahlen würde die Mugabe-Partei
kaum über 15 % hinauskommen. Dabei sind sich alle meine MitstreiterInnen einig, dass
wir eine Situation wie die im Jahre 2008 im Zusammenhang mit den Stichwahlen nicht
noch einmal mitmachen können. Wir waren damals an die Grenzen unserer Belastbarkeit
gekommen und auch, was die Sicherheit betraf, auf sehr unsicherem Terrain. Das Elend
vieler Opfer, die bei uns um Hilfe nachsuchten, konnten wir seelisch kaum mehr verkraften.
Also müssen wir alles in unseren Kräften tun, die geplanten Wahlen möglichst weit hinauszuschieben.
Welche Rolle die Kirchen dabei spielen können, ist uns noch nicht klar. Sicher ist
aber, dass wir gefordert sind, aktiv auf eine Verschiebung der Wahlen auf 2012 oder
2013 hinzuarbeiten und das Kaninchen-Schlange-Syndrom zu überwinden.
Positiv zu berichten ist, dass sich inzwischen kirchliche Initiativen gebildet haben,
die landesweit durch Deeskalations- und Peace Building Trainings einer erneuten Gewaltwelle
vorzubeugen versuchen. Wir sind gerade über die dtsch. Botschaft mit dem BMZ und mit
kirchlichen Organisationen im Gespräch, dafür auch die nötigen Mittel zu bekommen. Ich
sehe es im Moment als unsere Hauptaufgabe an, eine Wiederholung der vor 3 Jahren gemachten
furchtbaren Erfahrungen zu verhindern.
Dabei hat die Gewaltanwendung nie ganz aufgehört. Auch jetzt kommen Menschen aus ländlichen
Gebieten zu uns, die von Einschüchterungen und Überfällen berichten. Offenbar werden
wieder vermehrt Stützpunkte eingerichtet, in denen gezielt und systematisch Gewaltmaßnahmen
vorbereitet werden. Noch ist unser drittes und letztes Hilfsprogramm nicht zu Ende
gebracht und wir haben noch einige Kapazität, Menschen in akuter Not mit dem Nötigsten
zu versorgen. Aber vor der nächsten Erntesaison (etwa im April) wird auch dieses Programm
an sein Ende gekommen sein. Dann werden wir uns stärker von der akuten Notversorgung
auf Hilfe zur Selbsthilfe konzentrieren müssen und dabei auch mit anderen kirchlichen
Hilfsorganisationen zusammenarbeiten.
In wenigen Tagen wird das neue Semester losgehen. So sehr ich mich auf das Unterrichten
und die Begegnung mit den StudentInnen freue, so sehr habe ich ein ungutes Gefühl,
wenn ich an deren materielle Situation und die Erwartungen an mich denke. Noch stehen
eine Reihe von Rechnungen aus nicht beglichenen Studiengebühren aus dem letzten Semester
offen, noch droht vielen deswegen der Ausschluss vom Examen, aber ich will sehen,
dass ich vor allem den Angehörigen der luth. Kirche unter die Arme greifen kann. Auch
gilt es, die 4 Studenten in der Weiterbildung (Honours- bzw. Masters Degree) weiter
finanziell zu unterstützen. Wir brauchen geeignete Leitungskräfte gerade in der luth.
Kirche, die in der Lage sind, nicht nur theologisch Situationen richtig einzuschätzen,
sondern auch fähig sind, sich auf ökumenischem Parkett sicher zu bewegen und die Verwaltung
in den Griff zu bekommen.

Dass ich/wir in der Vergangenheit so hilfreich tätig sein konnten und so viele Menschen
in ihrer Ausbildung weiterbringen konnten oder sie in schwieriger Zeit mit dem Nötigsten
versorgen konnten und noch können, das hat auch an den vielen Spendern und Spenderinnen
gelegen. Deshalb will ich an dieser Stelle wieder auf unser KOnto hinweisen und bitte
auch darum, nach Möglichkeit die Adresse mit anzugeben, wenn eine Spendenquittung erwünscht
ist.
Im Namen all derer, die von diesem Fond unterstützt worden sind bzw. unterstützt werden,
darf ich an dieser Stelle an ganz ausdrückliches Dankeschön weitergeben. Wir wissen
sehr wohl, wie wenig selbstverständlich das ist und leben einfach von der Hoffnung
und der Zuversicht, weiter segensreich wirken zu können.

Geschrieben von Ulrike Knichwitz am 24. Februar 2011

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