Predigt am 3.7.2011 über Lukas 14,16-24 in der Arche

Der größte Wunsch Gottes ist es, dass wir ihm vertrauen können. Der größte Wunsch Gottes ist, dass wir in froher Gemeinschaft mit ihm leben.Jesus wollte das zeigen – darum hat Jesus viele Feste gefeiert. Das hat ihm den Ruf eingebracht, Fresser und Weinsäufer zu sein. Einmal hat er Hektoliterweise Wasser in Wein verwandelt. In sei-nen Reden ist das Fest ein Bild für das, was Gott uns Menschen schenken möchte, jetzt und hier und später einmal, wenn wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Unser Predigttext heu-te ist ein Gleichnis, in dem es auch um ein Fest geht:

Ich lese Lukas 14, 16 – 24
Das ist ein komisches Festessen zu dem dieser Hausherr einlädt. Er verschickt nicht zwei Mo-nate vorher Einladungen und bittet um Rückmeldung, ob man kommen wird. Und bereitet dann das Essen für so viele vor, wie sich angemeldet haben. Nein, offensichtlich ist er einer von der spontanen Sorte. Er bereitet erst ein Essen vor und wenn es fertig ist, lädt er die Leute ein, damit sie dann von jetzt auf gleich kommen sollen. Er nimmt bei dieser Einladung wenig Rücksicht auf die Pläne seiner Gäste. Er erwartet, wenn er einlädt, dass sie alles stehen und liegen lassen und zu seinem Fest kommen. Eigentlich braucht er sich nicht zu wundern, dass dann einige absagen, weil sie schon länger etwas anderes geplant haben.

Und die Reaktion auf die Absage ist noch merkwürdiger. Gut, der Gastgeber ärgert sich. Das kann ich gut verstehen. Ich würde mich auch ärgern, wenn ich versuche ein Fest zu geben und nie-mand kommt. Soweit ist das noch verständlich. Aber dass er dann die Obdachlosen und Bettler, die Kranken/ Behinderten und Armen und Hungrigen einlädt ist schon etwas ungewöhnlich. Aber klar das Essen ist fertig und man will es ja nicht verkommen lassen. Er lädt die ein, die nicht mit eigenen Dingen beschäftigt sind. Er lädt die ein, die sich sicher über das Festessen freuen werden. Und er will, dass nichts übrig bleibt und verdirbt. Insofern ist es ungewöhnlich, was dieser Hausherr tut. Aber eigentlich kann man seine Gründe ganz gut nachvollziehen.

Was will Jesus uns mit diesem Gleichnis oder dieser Beispielgeschichte vom Fest sagen?

Erst einmal sagt er uns etwas über Gott. Gott ist wie ein Gastgeber, der ein Fest ausrichtet und uns einlädt. Das ist das erste, was wir verstehen müssen. Manche Leute sagen ja, ach nein mit Gott will ich nichts zu tun haben. In der Kirche ist es immer so düster. Und ich weiß ja auch nicht so genau, wenn ich mich auf den Glauben einlasse, dann kommt da so ein Rattenschwanz von mo-ralischen Anforderungen hinterher. Wer weiß, was ich dann alles nicht mehr tun darf, was mir jetzt Spaß macht.

Dazu erzählt Jesus dieses Gleichnis: Gott quält uns nicht mit moralischen Forderungen. Gott lädt uns zu einem Fest ein. Ein Fest ist keine düstere Angelegenheit. Wir sollen ausgelassen feiern. Es gibt gutes Essen in großen Mengen. Genug zu trinken für alle. Besten Wein. Gott lädt uns ein zu einem guten Leben in Gelassenheit, er lädt uns zu einem Leben ein, das Freude macht.

Gelassenheit. Alle Sorgen hinter sich lassen, ausgelassen feiern, nette Leute treffen, vergnügli-che Gespräche, tanzen, ein schöner Abend. Gott möchte uns etwas Gutes schenken. Gott möch-te, dass unser Leben hell und leicht und fröhlich wird. Unser Leben sei ein Fest. Leben mit Gott hat etwas Festliches. Dazu sind wir eingeladen.

Und wir müssen nichts anderes tun als hingehen und mitfeiern.
Ich weiß nicht wie es ihnen geht, aber ich konnte das, als ich das hörte, nur schwer glauben. Ich, ich soll zu diesem Fest eingeladen sein. Gott lädt mich einfach so ein wie ich gerade bin mit all meinen dunklen Seiten, meinen dunklen Gedanken. Müsste ich nicht zuerst noch mein Leben in Ordnung bringen. Müsste ich nicht noch zuerst ein freundlicherer Mensch werden, müsste ich nicht noch zuerst … was weiß ich noch alles. Nein, so ist es nicht. Gott lädt mich ein, Gott lädt Sie ein, Gott lädt euch ein. Jetzt, ohne Vorbedingungen, ohne einen Rattenschwanz an moralischen Anfor-derungen. Jetzt, ob wir uns müde oder traurig fühlen, ob wir denken, dass wir dem Leben nicht gewachsen sind, ob wir blind oder lahm an Hecken und Zäunen leben, uns ausgeschlossen oder sonst wie eingeschränkt erleben. Wir sind eingeladen zu Gottes Fest. Gott lädt uns so ein wie wir gerade sind, ohne Bedingungen und zwar zum Feiern und das Leben genießen. Unser Leben soll wie ein Fest sein.

  1. „Gott ist ein Gott der Gegenwart.
  2. wie er dich findet, so nimmt und empfängt er dich,
  3. nicht als das, was du gewesen, sondern als das, was du jetzt bist.“
  4. Meister Eckhart

Aber zugegeben, die Einladung erfolgt in unserem Gleichnis etwas kurzfristig.
Doch in die Terminkalender der zuerst Eingeladenen passt das Fest überhaupt nicht hinein. Sie sind von ihren gewohnten Geschäften so eingenommen, dass ihre Arbeit offensichtlich keine Zeitfenster übrig lässt. Der eine muss eine Immobilie besichtigen, der zweite hat seinen landwirtschaftlichen Fuhrpark um neue Ochsengespanne erweitert. Der dritte ist offensichtlich so ausgelastet, dass er einen Termin mit seiner Frau hat und der Haussegen schief hinge.

Die Einladung erfolgt etwas kurzfristig. Aber: Jetzt fängt das Fest an und nicht in 20 Jahren. Das ist so. Jetzt findet unser Leben statt. Wir haben keine Zeit, auf ein gutes Leben zu warten. Un-ser Leben ist begrenzt. Jeder Tag zählt. Wir können das gute Leben nicht vor uns her schieben und uns jetzt erst mal mit Mühe und Last abplagen. Wir dürfen das Leben nicht auf Morgen verschie-ben. Denn unser Leben ist endlich. Wer weiß ob es noch ein Morgen gibt. Manche Jugendlichen denken, wenn ich erst mal groß bin, dann fängt das Leben an. Manche Erwachsene denken, wenn ich erst mal pensioniert bin, dann werde ich alles das machen, wozu ich jetzt keine Zeit habe. Und wenn sie dann pensioniert sind, dann machen die Knie nicht mehr mit. Das sagt Jesus auch. Jetzt sind wir eingeladen zu einem Leben mit Gott.

Es gibt im Gleichnis noch eine zweite und dritte Einladungsrunde – auch wir heute sind ge-meint. Es ist schade um jeden Tag, den wir verstreichen lassen und nicht an dem Fest teilnehmen. Es ist schade um jeden Tag, den wir uns mit unseren Lasten abschleppen anstatt sie Gott anzuver-trauen. Es ist schade um jeden Tag, den wir uns Sorgen um die Zukunft machen, anstatt jetzt zu leben im Vertrauen auf Gott, der unsere Zukunft in seiner Hand hält.

Der Gastgeber in unserer Beispielgeschichte ist sauer über die Eingeladenen, die glauben et-was Besseres zu tun zu haben als mit ihm zu feiern.
Und da steht dieser unangenehme letzte Satz in dieser Beispielgeschichte: (24) Ich sage euch: „Keiner jener Männer, die eingeladen waren, wird mein Festessen zu kosten bekommen!“

Was Jesus den Hörern, den jüdischen Führern, Frommen und Angesehenen sagen wollte, liegt auf der Hand: Mit Jesu Auftreten begann die Freudenzeit in der neuen Welt Gottes. Da aber die Frommen und die Gerechten, die Pharisäer und Schriftgelehrten, die Priesterschaft im Tempel sich alle weigerten, seiner Einladung zu folgen, erging seine Einladung an Sünder und Heiden.

Und die Urkirche erlebte sich selbst darin, nachdem die Führerschaft des Tempels als die zuerst Geladenen abgesagt hatte, wandte sie sich an alle diejenigen, die im Verständnis der Pharisäer nicht als von Gott gesegnet verstanden wurden, an Krüppel und Kranke, Sünder, an die auf der Straße, d.h. die Heiden – und so wurde Kirche aus Juden und Heiden, aus sozial Benachteiligten und Ausgeschlossenen.

Geschenk an uns – wir sind in den Bund Gottes mit Israel hineingenommen – eine freudige festli-che Grundstimmung liegt auf unserem Leben. Zugleich gemeinschaftsstiftende Aufgabe gegen-über allen, die sich vom Leben ausgeschlossen fühlen, sei es durch schwächer werdende Ohren– wir üben es durch mit unseren Höranlagen – sei es durch belastende Lebenssituationen, die wir uns bemühen, durch geschwisterliche Unterstützung, durch Seelsorge oder durch den Dienst der Bera-tung etwas mit aufzufangen.

Und der Friede Gottes …

Geschrieben von Ulrike Knichwitz am 06. Juli 2011

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