Unser Posaunenchor auf Luthers Spuren

Eine besondere Reise hat der Posaunenchor unter der Leitung von Margret Toyka durchgeführt. Gegen Ende der Herbstferien waren sechzehn Mitglieder des Chores, die Altersspanne reichte von 11 bis 78 Jahren, zu einer Fahrt nach Schmalkalden am Rande des Thüringer Waldes aufgebrochen – natürlich zusammen mit ihren Instrumenten! Von Donnerstag bis Sonntag blieben sie in der Gegend, um Stadt und Umgebung zu erkunden. Und diese Region hat es in sich! Hier finden sich frühe Zeugnisse aus der Zeit der Reformation, von denen die Bläser einige aufsuchten. So liegt zunächst der Stammhof Luthers in Möhra, in dem die Eltern von Martin Luther bis 1483 lebten. Auf dem Rückweg vom Reichstag in Worms predigte Luther 1521 auf dem Platz in unmittelbarer Nähe zu seinem Stammhof. Heute wird der Platz durch ein Denkmal für den Reformator geprägt.
Schon am folgenden Tag wurde sein Wagen auf seiner Weiterreise durch den Thüringer Wald von Soldaten des Kurfürsten Friedrich des Weisen (von Sachsen) überfallen und Martin Luther entführt, freilich um ihn vor der Gefahr, getötet zu werden, zu schützen, denn der Reichstag in Worms hatte ihn gerade erst für „vogelfrei“ erklärt. Der Ort des Überfalls in der Nähe von Steinbach wird heute durch ein Denkmal sowie durch Lutherbuche und Lutherborn (eine Quelle) in einem stillen Seitental geprägt. Es war ein besonderes Erlebnis für den Posaunenchor, gerade an diesem Ort und bei herrlichstem Wetter mehrere Lutherchoräle anspielen zu können!
Verschleppt wurde der Reformator bekanntlich auf die Wartburg im nahen Eisenach. Auch hier zog es einen Teil der Reisegruppe hin, während der andere Teil sich u.a. auf die Spuren von Johann Sebastian Bach begab, der in Eisenach geboren wurde und der die lutherische Kirchenmusik (ca. 200 Jahre nach Martin Luther) zu besonderer Blüte brachte.
Schmalkalden, eine herrliche Fachwerkstadt mit über ihr thronendem Renaissance-Schloss, ist u.a. bekannt für die Schmalkaldischen Artikel, die Martin Luther 1536 verfasste und die im Konkordienbuch als Bekenntnisschrift der evangelisch-lutherischen Kirche eingefügt sind. Hier grenzte sich der Reformator erneut und im Auftrag der protestantischen Fürstentümer (Schmalkaldischer Bund) von bestimmten Praktiken der römisch-katholischen Kirche ab, z. B. vom Ablasshandel oder der Reliquienverehrung. Auf dem Konvent von Schmalkalden wurden die Artikel von Theologen und Gelehrten diskutiert und angenommen.
Gekrönt wurde die Reise für den Posaunenchor durch die Möglichkeit, zwei Gottesdienste musikalisch gestalten zu dürfen, einmal in der Kirche von Schweina, am nächsten Tag in der Stadtkirche von Schmalkalden. Hier hat Martin Luther, aber auch Philipp Melanchthon während des Schmalkaldener Konvents gewirkt. So war nicht nur die Akustik, sondern auch die Geschichtsträchtigkeit des Ortes für die Bläser äußerst beeindruckend.
Überhaupt: die Kirchen! Gemäß lutherischer Tradition sind sie meist reich ausgestattet mit Bildern, Fresken und geschnitztem Gebälk. Eine Besonderheit sind die häufig eingebauten Emporen, die sich teilweise galerieartig um den gesamten Kirchraum und doppelstöckig herumziehen. In den Begegnungen mit den freundlichen Pfarrern vor Ort wurde dem Posaunenchor noch manches Detail erläutert. Wie viel Mühe und Engagement bedarf es auch, diese frühen Zeugnisse lebendiger und selbstbewusster protestantischer Gemeinde zu erhalten und, nach einer langen Zeit der Vernachlässigung in der DDR, zu renovieren!
Die gemeinsame Musik im Posaunenchor, die Begegnungen mit den Menschen in den Gemeinden und das Erleben einer historischen Region haben allen Bläsern Spaß gemacht und sie bewegt. Warum nicht bald mal wieder? Schön wäre es! Unserer Gemeinde dankt der Posaunenchor jedenfalls sehr für die Unterstützung der Fahrt, die lange im Gedächtnis bleiben wird!

Geschrieben von Ulrike Knichwitz am 07. November 2012

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