Unser Buchtipp für Juli / August

Susann Pasztor

Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster

 

Kiepenheuer & Witsch 2017, 285 Seiten

 

 

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Fred Wiener ist Angestellter, alleinerziehender Vater eines 13–jährigen Jungen und hat seit kurzem die Ausbildung zum Sterbegleiter absolviert. Die 60–jährige Karla ist unheilbar an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und bittet beim Hospizverein um Begleitung in den letzten Wochen ihres Lebens. Fred will unbedingt alles „richtig“ machen bei seiner ersten Begleitung — was aber ist richtig?

Karla ist spröde, eigensinnig und stark, hat sich auf eine stoische Art mit ihrem Schicksal arrangiert. Sie will Nähe, wenn sie sie benötigt, aber auch Rückzugsmöglichkeiten wenn sie allein bleiben will.

Sie will Begleitung nach ihren Vorstellungen und keinesfalls eine „To–do–Liste“ abarbeiten.

So scheitern Freds Versuche und Angebote käglich.

Phil, Freds Sohn, hilft Karla, die eine leidenschaftliche Fotografin war, 1.500 alte Negative zu scannen. Die gemeinsam verbrachten Nachmittage bringen die beiden einander näher und Phil lernt Karla mit all ihren Bedürfnissen und Wünschen kennen.

Phil und Karlas Hausmeister Leo Klaffki sorgen schließlich dafür, dass Fred noch eine 2. Chance erhält.

Susann Pasztor ist es gelungen einen Roman über Sterbebegleitung zu schreiben, der mit viel feinsinnigem Humor und großem Respekt vor den Protagonisten den Tod ernst, zugleich aber das Leben mit all seinen Irrungen und Wirrungen liebevoll annimmt. Die Arbeit der Hospizmitarbeiter wird unpathetisch in den Supervisionsrunden in allen Schattierungen widergegeben.

Zugleich ist dieser Roman aber auch eine sensible Vater–Sohn–Geschichte, die eine erstaunliche Wandlung erfährt.

Susann Pasztor hat den evangelischen Buchpreis 2018 für diesen Roman erhalten.

 

Susanne Preiß

 
 


 
Bildnachweis

 
 

Geschrieben von Susanne Preiss am 13. Juni 2018

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