Unser Buchtipp für November / Dezember 2020

Ewald Arenz

„Alte Sorten“

Roman

DuMont Verlag, 255 Seiten

 
 
 
 
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Sally, 17 Jahre alt ist aus einer psychiatrischen Klinik geflohen. Sie ist zornig auf sich und auf alle anderen, ist auf der Flucht vor allem und jedem. Sie hasst Regeln, Vorschriften, Fragen und will einfach nur in Ruhe gelassen werden.

In den unterfränkischen Weinbergen begegnet ihr die Bäuerin Liss, die sie anspricht, da ihr Hänger eingeklemmt ist. Mit vereinten Kräften schaffen sie es, gemeinsam den Hänger frei zu bekommen. Sally gefällt an der starken, wortkargen, allein auf einem Hof lebenden Mittvierzigerin, dass sie keine Fragen stellt, keine schnellen Urteile fällt und nicht sändig gemustert wird. Liss bietet ihr an, auf dem Hof zu übernachten.

Langsam im Laufe der folgenden Wochen entwickelt sich eine ganz besondere Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Frauen.

Beide sind auf ihre Art einsam, lassen sich aber behutsam und vorsichtig auf den anderen ein.

Bei den gemeinsamen Arbeiten auf den Feldern, im Wald und im Birnengarten beginnt eine zaghafte Nähe zu wachsen.

So erfahren sie nach und nach von den Verletzungen, die ihnen von anderen Menschen zugefügt wurden.

Der Titel „Alte Sorten“ bezieht sich auf alte, ungewöhnliche Birnensorten mit einem ganz besonderen Geschmack, die Liss in ihrem Birnengarten hat.

Ewald Arenz gelingt es, beide Charaktere glaubhaft und mit großer Empathie zu zeichnen Der Autor springt immer wieder zwischen den beiden Perspektiven der Frauen hin und her. Da jede ihre eigene Art zu denken und zu sprechen hat, kann man sich als Leser gut darauf einlassen.

Stilistisch kunstvoll mit einer sich langsam aufbauenden Spannung wird der Leser in den Bann gezogen und der Blick auf das Wesentliche gelenkt: Entschleunigung und die Besinnung auf das Wesentliche als Essenz, um im Leben glücklich zu sein.

 

Susanne Preiß

 
 


 
Bildnachweis

 
 

Geschrieben von Susanne Preiss am 14. Oktober 2020

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